200 Jahre Orgelbautradition in Ostwestfalen
Die heutige Orgelbauwerkstatt Sauer & Heinemann steht in einer nahezu zweihundertjährigen Tradition, die sich nicht nur durch Kontinuität im Handwerk auszeichnet, sondern vor allem durch eine gewachsene Verantwortung für den Erhalt historischer Orgeln.
Ausgehend von den Anfängen im frühen 19. Jahrhundert hat sich die Werkstatt über mehrere Generationen zu einem Betrieb entwickelt, der heute in besonderer Weise der Restaurierung und Revision teilweise bedeutender historischer Instrumente verpflichtet ist, sich aber auch mit dem Erhalt sowie der Weiterentwicklung modernerer Orgelanlagen beschäftigt.
Die Wurzeln reichen bis in das Jahr 1805 zurück, als Georg Josias Eggert in Paderborn den Grundstein für die Werkstatt legte. Aus einer zunächst mit der Tischlerei verbundene Tätigkeit entwickelte sich 1840 unter seinem Sohn Karl Josef Eggert eine eigenständige Orgelbauwerkstatt.
Unter Karl Josef und wiederum seinem Sohn Franz Eggert, der die Werkstatt ab 1874 leitete, erlebte die Orgelbauwerkstatt eine erste Blütezeit. Zahlreiche Orgeln im nordwestdeuten Raum zeugen noch heute von der handwerklichen Qualität und der regionalen Bedeutung. Bereits in dieser frühen Phase entstanden zahlreiche Instrumente, die das Klangbild der Region prägten und teilweise bis heute erhalten sind. Diese Instrumente bilden einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes, dessen Bewahrung in der Gegenwart eine zentrale Aufgabe darstellt.
Mit der Übernahme durch den Kölner Orgelbauer Anton Feith (Feith I) im Jahr 1902 begann eine Phase außergewöhnlicher Expansion. Die Werkstatt Feith, die noch bis 1907 unter dem Namen Franz Eggert firmierte, entwickelte sich zu einem der führenden Orgelbaubetriebe Westfalens und realisierte auch unter Sohn Anton Feith (Feith II) ab 1929 eine große Anzahl von Neubauten im In- und Ausland (u. a. Belgien, Niederlande, Japan). In der Ära Feith entstanden somit rund 800 neue Instrumente.
Gerade diese Vielzahl an Instrumenten, die stilistisch die Entwicklung des Orgelbaus vom späten 19. bis in das 20. Jahrhundert widerspiegeln, stellt heute einen bedeutenden Bestand historischer Orgeln dar. Viele dieser Werke sind inzwischen selbst denkmalwürdig und erfordern eine fachkundige Betreuung, die über reine Reparaturarbeiten hinausgeht.
Ein entscheidender Wandel in der Ausrichtung der Werkstatt setzte mit der Übernahme durch Siegfried Sauer im Jahr 1973 ein. Siegfried Sauer integrierte die Werkstatt Feith in den heimatlichen Betrieb in Höxter-Ottbergen, der bereits seit Mitte der 1960er Jahre bestand.
Die Werkstatt Siegfried Sauer erstellte – ganz im Sinne der Orgelbewegung – Instrumente auf der Basis der mechanischen Schleiflade, klanglich zunächst dem Zeitgeist des Neobarocks folgend. Später entstanden zahlreiche Orgeln, die klanglich neben barocken und symphonischen auch französische Einflüsse im Sinne einer klanglichen „Universalorgel“ vereinten.
Die Orgelbauwerkstatt Siegfried Sauer erstellte über 300 neue Instrument, darunter Großorgeln wie die Domorgel im Hohen zu Paderborn, bei ihrer Erstellung die zweitgrößte Kathedralorgel Deutschlands sowie die große Konzertorgel in der historischen Stadthalle zu Wuppertal. Instrumente im Ausland, wie die Orgel in der Kathedrale zu Olsztyn (Polen) oder in der bekannten Wallfahrtskirche des Klosters Heiligenlinde (Swieta Lipka, Masuren), zeugen hierbei von der überregionalen Tätigkeit der Orgelbauwerkstatt Siegfried Sauer.
Im Jahr 2015 erfolgte die konsequente Fortsetzung der Orgelbautradition durch die Neugründung der Orgelbauwerkstatt Sauer & Heinemann. Die beiden Geschäftsführer Sebastian Sauer und Thomas Heinemann führen die Tradition der Ära Eggert-Feith-Sauer nicht nur fort, sondern setzen u. a. einen neuen Akzent auf die Restaurierung und Erhalt historisch bedeutsamer Orgeln. Dabei geht es nicht allein um die technische Wiederherstellung der Spielbarkeit, sondern um eine möglichst authentische Bewahrung der gewachsenen Klanggestalt und der handwerklichen Details.
Somit werden historische Orgeln nicht als veränderbare Gebrauchsgegenstände betrachtet, sondern als gewachsene Zeugnisse ihrer Zeit. Eingriffe erfolgen mit größter Zurückhaltung und auf Grundlage sorgfältiger Untersuchungen. Ziel ist es, die originale Substanz so weit wie möglich zu bewahren und gleichzeitig die langfristige Funktionsfähigkeit sicherzustellen.
Gleichzeitig bleiben der Neubau sowie der Erhalt zeitgenössischer Instrumente ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Neben der Revision und Erweiterung bestehender Orgelanlagen, finden hierbei durchaus auch neue Technologien (Modernisierung elektrischer Anlagen nach aktuellen Sicherheitsnormen, Einbau von MIDI-Recordern, Selbstspieleinrichtungen, etc.) Anwendung.
Daneben bildet die kontinuierliche Betreuung bestehender Instrumente einen wichtigen Bestandteil der täglichen Arbeit. Zahlreiche Orgeln aus den Werkstätten Eggert, Feith und Sauer werden bis heute gepflegt, gewartet und revidiert.
Sebastian Sauer und Thomas Heinemann sind mit ihrem erfahrenen Team von Orgelbauern, Restauratoren und Intonateuren im In- Ausland tätig.
